Die Etappe selbst aber startete mit einer kleinen Reparatur, es sollte die einzige bleiben; der oberste Reiter des Großsegels war gebrochen. Nach fünf Minuten Arbeit konnten wir die Segel setzen und unsere letzte Fahrt konnte so richtig beginnen. Einem Problem wurden wir nicht Herr: Die Logge wollte nicht und nicht richtig funktionieren. Auch nach ihrer Reinigung blieben die angezeigten Werte falsch. Grund dafür war Bewuchs, der sich am Plastikring außen an der Logge gebildet hatte, und den wir unterwegs nur in einer Flaute hätten entfernen können. Aber das bedeutete nicht mehr als eine Unannehmlichkeit – nämlich, dass wir nie unsere tatsächlich Fahrt durchs Wasser und damit auch nicht die wahre Windrichtung und -geschwindigkeit wussten.
Anfänglich blies uns der Wind vor sich her und blieb nicht nur stabil, sondern auch angenehm stark, sodass wir an unserem zweiten vollen Tag auf See einen neuen Etmal Rekord aufstellen konnten: 137 sm! (Das macht einen sensationellen Schnitt von 5,71 kn/h).
Einen anderen Rekord konnten wir auch verzeichnen, auf den wir einerseits zwar gerne verzichtet hätten, andererseits aber unser Vertrauen in die Maverick erhöhte: Hart am Wind segelnd legte uns eine Bö, der Wind nahm sprunghaft von 25 kn auf 35 kn zu, 40 Grad auf die Seite. Dem Boot machte das offensichtlich weniger aus als der Besatzung.
Zu unserem Glück waren wir, als der Wind endgültig drehte und zwischen SO und S blieb, schon weit genug vor der Küste und auch weit genug südlich, dass wir nur für eine Nacht mit geringer Geschwindigkeit aufs Meer hinauskreuzten und danach wieder direkten Kurs auf die Mündung des Rio Plata nehmen konnten.
Interessant war, dass sowohl Wasser- als auch Lufttemperatur innerhalb eines einzigen Tages deutlich fiel, sodass wir unsere warmen Sachen herauskramen mussten. Und bei 16 Grad nächtens war endlich auch mein Schlafsack nicht mehr übertrieben. Das Wasser blieb nicht nur zwischen 19 und 20 Grad Celsius, sondern wurde auch deutlich salziger, sodass bald alles an Deck mit einer feinen weißen Kristallkruste versehen war – ebenso unsere Kleidung.
Leider schlossen wir in der rauen See die Doradelüfter zu spät – wir nahmen über sie regelmäßig geringen Mengen Wasser durch das Überspülen des Decks, sodass wir eine volle Bilge bekamen, die dann durch die extreme Lage bis zu unserem Zwiebelvorrat schwappte. Da weder Andreas noch ich besonderen Wert auf Zwiebel a la Diesel legen, gingen sie anschließend über Bord.
Kulinarisch ließ diese letzte Etappe nichts zu wünschen übrig, denn wir hatten von allem mehr als genug, und so ist es nicht verwunderlich, dass sie die erste war, auf der wir beide kein Gewicht verloren – übrigens wurde, dank des kühleren Klimas hatten wir beide wieder mehr Gusto auf warme Mahlzeiten, wieder regelmäßig gekocht.
Am vorletzten Tag sichteten wir Robben, die aber leider nur an uns vorbeizogen. Der Wind hatte wieder leicht gedreht und blies uns jetzt, wir fuhren Butterfly, direkt in die Mündung des Rio Plata unserem Ziel Piriapolis/Uruguay entgegen. Dass er Mittwoch früh einschlief, und wir die letzten Meilen motoren mussten machte wenig – ermöglichte es uns doch bei Windstille und Tageslicht in der Marina festzumachen.
Die letzten 6 ½ Tage auf See lagen hinter uns. Und auch wenn ich sie genossen habe, bin ich doch auch froh, vorerst einmal angekommen zu sein. Am Ende waren mir die Strapazen des Segelns schon anzumerken.
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