Als kurzer Zwischenstopp auf anraten von Georg, den wir in Salvador getroffen hatten und der den Kontakt zu Hildo hergestellt hatte, gedacht, wurde unser Aufenthalt hier in Pinheira unsere schönste Station bisher.
Schon der Empfang war einzigartig: Während wir noch unser Ankunftbruch mit Kaffee und Kuchen ausklingen ließen, schwamm jemand vom Ufer zu unserem Boot. Zu unserer Überraschung war es Hildo, der uns auf diese Weise gleich willkommen hieß und uns einlud, Claudia und Thomas, ein deutsches Seglerpärchen, das ihr Boot schon nach Argentinien gebracht hatte und nun per Bus noch einmal auf Urlaub hierher zurück gekommen war, kennen zu lernen. Unser erster Abend, und gleich mit einem Programm!
Als wir mit unserem Beiboot anlandeten und es vor Thors Haus festmachten (trotz des Namens ein Brasilianer) lud uns dieser für den nächsten Tag gleich zum Mittagessen ein. Als Segler war er auch sehr interessiert, die Maverick näher zu betrachten, sodass wir seinen Sohn, seine Freundin und ihn für nach dem Essen zu uns aufs Boot einluden.
Am ersten Abend lernten wir denn auch Alvaro kennen (www.solardonamaria.com.br – sein Sohn Bruno (www.fogoearte.com) ist für folgendes Youtube-Video verantwortlich: Surf na Pinheira com Ciclone), der uns seinen Internetanschluss zur Verfügung stellte – ihm haben wir es zu verdanken, dass wir unseren Blog so gut updaten konnten!
Mit Jacqueline und Hildo war es uns erlaubt zwei ganz außergewöhnlich liebe Menschen kennen zu lernen, sodass wir uns im Kreise ihrer jungen Familie, Vincente ist gerade einmal knapp 6 Monate alt, richtig zu Hause fühlen konnten. Neben gemeinsamen Mahlzeiten unternahmen wir auch zwei ‚Wanderungen’ zusammen – normalerweise würde ich eher Spaziergänge schreiben, aber da man als Segler dem Gehen völlig entwöhnt, passt Wanderung besser.
Auch wenn das Wetter leider sehr Verregnet war, und das Anlanden mit dem Dingi so seine Tücken hat – einmal überschlugen wir uns sogar, logischerweise hatten wir da den Laptop mit dabei, aber zu unserem Glück blieb der Drybag seinem Namen treu, sodass nichts passiert, genossen wir den Aufenthalt hier in vollen Zügen. Schon alleine der Blick vom Boot auf die Bucht und im Hintergrund die grünen Berge mit Wiesen und weidenden Kühen besänftigte die Seele. Und wenn sich dann noch der Nebel um ihre Gipfel legte, vermeinte man fast, zuhause in der Steiermark zu sein.
Angenehm war auch das Gefühl der Sicherheit. Die Häuser hier sind nicht vergittert, die Kinder spielen bis spät in der Nacht am Strand, man erntet keine bösen Blicke, fällt auch mit der weißen Hautfarbe nicht unbedingt auf und wird immer wieder freundlich auf die Maverick angesprochen und bekommt Respekt bezeugt vor der Leistung sie hierher gesegelt zu haben.
(Apropos Sicherheit: Der Lokalbesitzer, vor dessen Restaurant Andreas in Catu aufgelauert worden war, wurde unlängst von den gleichen drei Kriminellen überfallen. Sie hielten dem Bruder seiner Frau den Revolver an die Schläfe, erzwangen sich so Zutritt zum Haus, hielten dann seiner Frau selber die Waffe an den Kopf um Druck auf ihn auszuüben und raubten ihn aus. – Und nach allem, was wir so hören, schweigt das Dorf weiterhin…)
Neben all dem Ausspannen und Genießen konnten wir auch die notwendigen Reparaturen durchführen, sodass die Maverick für die Weiterfahrt gut gerüstet ist.
Nun aber scheint sich Wind und Wetter wieder so zu ändern, dass wir uns auf die sechste und letzte Etappe nach Piriapolis in Uruguay aufmachen können.
Fazit unseres Aufenthaltes in Pinheira: Zu Gast bei Freunden – und Ildos Aussage, dass das der Platz ist, an dem wir unser ‚Brasilien-Traumata’ überwinden können, kann ich nur voll und ganz unterschreiben.
Ich segle weiter mit dem festen Wunsch, einmal wieder zu kommen!
1 Kommentare:
die geschichte mit dem seebären ist berührend und die fotos sehr, sehr nett, besonders das bild "albert in der hängematte"
;-) ist es gestellt oder echt?
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