Bei spiegelglatten Meer und hohen Temperaturen sprangen wir dann auch in Wasser. Ansonsten versuchten wir uns so gut als möglich mit der Hitze zu arrangieren. (Auch die Temperatur des Meeres war dort noch um die 30 Grad, sodass von unten das Boot auch nicht gekühlt wurde.)
Andreas kämpfte mit einer Nebenhöhleneiterung, ich blieb zwar gesund, hatte aber gegen Ende Probleme mit meinem rechten Knie: Der Schleimbeutel hatte sich entzündet.
Insgesamt war ich während der Fahrt so müde, dass ich außer Wachegehen und Kombüsendienst kaum etwas anderes tat, selbst lesen war mir zu anstrengend, sodass ich oft nur meinen Gedanken nachhing, oder aber einfach das Erleben ansich genoß.
Das andere Gesicht dieser Etappe zeigte sich dann gegen Ende: Phasen mit sehr schwachen, um nicht zu sagen, fast gar keinem Wind, wechselten sich in rascher Folge mit denen mit sehr starkem Wind ab - und der beliebte dann auch sich zu drehen. So viele Segelmanöver mußten wir während unserer Fahrt über den Ozean nicht machen! Dafür haben wir auch einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt: Über 10 kn Fahrt durchs Wasser! Zwei, drei Tage vor Rio kühlte dann nicht nur das Meer ab - das Kap heißt wohl nicht umsonst Cabo Frio - und wir bekamen Regen. Goretex-Hose, Regenjacke und Gummistiefel - wer hätte das gedacht. Dafür bließ uns der Wind mit bis zu 30 kn Richtung Ziel.
In der Nacht mußten wir dann, obwohl dem in der Karte eingezeichneten Bohrfeld großzügig ausgewichen, noch an hellerleuchteten, drei Bohrinseln vorbei. Sind sie doch schon unter Tags eindrucksvoll, umso mehr aber noch in der Dunkelheit.
Der Wind blieb uns treu bis ca. 20sm vor dem Landfallpunkt vor Rio. Schaffte ich während meiner letzten Nachtwache mittels mehrerer Segelmanöver noch 4 sm in 3 Stunden (die Anstrengung stand sich nicht wirklich dafür in Anbetracht der geringen Streckenausbeute), so blieb er dann während Andreas' Schicht ganz aus, und er holte die Segel ein. So trieben wir dann 15 sm vor unserem Waypoint, ca 20 sm vor der Stadt Rio de Janeiro.
Am Morgen gönnten wir uns dann noch gutes Frühstück, ehe wir den Motor anwarfen, es ging noch immer kein segelbarer Wind, und mittels Nachfüllen des Kühlwassers in die Bucht von Rio einliefen - am Zuckerhut vorbei, zwischen zwei alten Fortanlagen hindurch mit Blick auf die Copacapana und die 30m hohe Christusstatue (die sich alsbald allerdings in den Wolken versteckte) - viel eindrucksvoller geht es dann kaum mehr.
Hart haben wir uns diesen Stopp erarbeiten müssen, umso mehr können wir ihn jetzt genießen.
1 Kommentare:
schon ostbahn-kurti dürfte von den flauten gewusst haben als er sang "i fahrat mit dem radl nach rio" ... ob er aber die selbe eindrucksvolle kulisse bei der einfahrt nach rio gehabt hätte, ist fraglich ...
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