Nach einem gelungenen letzten Abend an der Bar des Club Naval de Charitas in Niteroi (siehe vorigen Blog), wir konnten uns von allen gebührend verabschieden, und trotz der baldigen Trennung hatten wir viel Spaß, legten wir stressfrei und wie geplant Mittwoch in aller Früh ab. Noch regnete es nicht, und hoffnungsfroh starteten wir diese Etappe in der ‚kurzen’ Garnitur. Der Schwell in der Ausfahrt überraschte uns, doch die Maverick kämpfte noch unter Motor brav gegen an. Nach einem letzten Blick zurück auf den Zuckerhut und die Copacabana setzten wir Segel. Die Windvorhersage traf ein, sodass wir Kurs gen Süden nehmen konnten.
Leider hielt aber die Sonne nicht durch, und wir begannen alsbald unsere Fahrt im Regen. Die absolute Schönwetterzeit hierin Brasilien ist eben vorbei, es nähert sich der Winter und mit dem Karneval startet auch die Regenzeit. Aber wir hatten insgesamt Glück, denn wir entkamen alsbald der Schlechtwetterfront und konnten zwar mit leichterem Wind aber in die gewünschte Richtung segeln.
Wie schon auf der letzten Etappe stellten sich die Windverhältnisse insgesamt als wechselhaft und eher schwach dar, sodass wir immer wieder gezwungen waren Kurs und Segelstellung anzupassen. Auch Plattformen gab’s wieder – und wie gehabt meistens bei Nacht – was zugegebener Maßen auch daran liegt, dass sie in der Dunkelheit einfach wesentlich weiter zu sehen sind durch ihre starke Beleuchtung.
Insgesamt benötigten wir für die knapp 440sm fast sechs Tage – denn es wechselten sich solche mit 113sm Etmal mit anderen mit nur 50sm ab.
Am dritten Tag, bei schwachem Wind, riss die erste Reffleine, eine Reparatur, die wir umgehend in Angriff nehmen konnten. (Wir fliegen das Großsegel nahezu immer im ersten Reff, da es da eine bessere Form hat und dadurch wirkungsvoller steht. Problematischer war da schon, dass sich eine Want, zum Glück nicht eine von denen, die den Mast halten, sondern ihm nur zusätzlichen Halt geben entgegen dem Segeldruck, brach. Dieses Problem konnten wir nicht unterwegs beheben, waren aber zuversichtlich, dass wir es in Pinheira zu lösen vermögen. Da aber der Wind nur schwach blies, gingen wir auch mit großer Segelfläche kein wirkliches Risiko ein, noch dazu, wo wir das Groß so setzen konnten, dass der Zug auf die Seite kam, an der beide Wanten noch intakt waren.
Ein weiteres, unangenehmes Detail war, dass der Wasserfilter am Ende seiner Lebensdauer angelangt war, und wir, entgegen unser Erinnerung, keinen Reservefilter an Bord haben. Allerdings können wir uns auf unserer Zwischenstation mit Trinkwasserflaschen eindecken, sodass das auch kein wirkliches Problem darstellt.
Auch eine Motteninvasion mussten wir über uns ergehen lassen – plötzlich fiel ein Schwarm der unterschiedlichsten Insekten über uns her. Die größte so groß wie eine Fledermaus. Aber ihnen auf dem Fuße folgte ein kleines Vögelchen, siehe Photos, das sich anschickte eine nach der anderen zu verspeisen. Welch’ netter Gast!
Knapp vor dem Ziel schlief der Wind gänzlich ein, und wir ließen uns treiben, auch, damit wir bei Tageslicht in die Bucht einlaufen konnten. Typisch war nur, dass just für die Einfahrt und zum Ankerwerfen der Wind auf bis zu 30kn aufgefrischt war, sodass wir es nicht einfach hatten. Doch lagen wir glücklich um 11:30 Ortszeit (14:30 UTC) fest und gönnten uns dann ein Brunch.
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