Weite Teile der Stadt sind abgesperrt, mitunter selbst große Hauptverkehrsadern bleiben den Feierenden und den Musiktrucks vorbehalten. Durchmischt wird diese Melange von einer schier unglaublichen Anzahl von Straßenhändlern, die angefangen vom Faschingsramsch, Kettchen, Maiskolben, Käsespießchen, Bier und andere Getränke, Bändchen und, ich traute meinen Augen kaum, kandierte Äpfel so ziemlich alles verkaufen, was das Herz, der Magen oder der Durst begehrt. Sogar einzelne Zigarretten und Fleischspieße. Dazwischen zwängen sich die Ärmsten durch und sammeln die Bieraludosen auf, seltener auch die anderen Blechdosen und Plastikflaschen.
Mode- und andere Geschäfte an der Umzugsstrecke werden von ihrem üblichen Sortiment befreit, stattdessen werden Kühltruhen aufgstellt und Unmengen an Getränken, hautsächlich Bier, eingelagert. Der Verkauf über die Holzabsperrung zur Straße hin verläuft prächtig. Das große Bier (0,6l) 2 Reais (1 Euro = 2,4 Reais) und die kleinen (0,35l) gibt's für einen Reais. Unschlagbar auch der Preis für einen Caipirinha: 3 Reais! Und mit denen muss man wirklich aufpassen.
Kommen an einem die Musiktrucks mit Livemusik, riesige Fahrzeuge mit Dekoration und einer unglaublichen, nicht plombierten Anlage, vorbei, dann vibriert alles und das Gedränge erreicht seinen Höhepunkt (da muss man dann auch schon mal auf seine Taschen aufpassen); dem folgt in gebührenden Abstand dann ein WC-LKW mit entsprechendem Odeur. Um die Lastwagen mit der Bühne herum ist ein Seil gezogen und jede Gruppe hat ihre eigenen T-Shirts, mit jeden Tag wechselnder Farbe, und nur damit, ihr Erwerb kostet entsprechend, darf man in diese Absperrung hinein. Die Ordner, die diese Taue gespannt und möglichst zentriert halten, leisten Schwerarbeit, finden aber trotzdem auch Zeit zum Mittanzen. Die größte Gruppe waren die 'Söhne Ghandis' mit mehr als 10.000 Anhängern. (Die Blauweißen sind auch auf den Photos nebenan kaum zu übersehen!) Allerdings fahren sie so langsam, dass man auch am Straßenrand mehr als genug Zeit hat zu tanzen, springen, johlen, jubilieren.
Apropos Schwerarbeit: Das gilt auch für die Polizei, allen voran die Policia Militare, der aber alle sich so schnell als möglich den Weg freizumachen bemühen. Neben erhöhten Ständen zum Überblicken der Menge, patroulieren sie regelmäßig durch die Straßen und haben auch berittene Kräfte aufgeboten.
Die Stimmung aber ist friedlich (ich persönlich habe keine einzige Rauferei beobachten können, was bei 3 Millionen zusätzlichen Menschen in Salvador zur Carnevalszeit und der Menge Alkohol einiges heißt) und ausgelassen. Einfach eine riesige Party. (Die 5 Reais, die mir aus der Hosentasche 'gezupft' wurden seien nur der Vollständigkeit halber erwähnt.)
Es gibt auch einen etwas traditionelleren Teil, der auch einen Anflug von touristischen Kitsch nicht verleugnen kann, aber nur in einem verträglichen Maße.
Wir jedenfalls hatten eine unglaublich, wie der Wiener sagt, leiwande Zeit - auch weil wir sie mit Susanne und Jan von der Peter Pan, Segelfreunde, die wir schon aus Las Palmas kennen, verbringen durften.
4 Kommentare:
Burschen,Burschen! Karneval in Brasilien... beneidenswert! Allerdings sind die Mäd's Samba Schulen in Rio etwas leichter bekleidet oder wird das überschätzt ?
den 1. platz macht bild 17, ein meisterwerk: aqua di coco!
auf platz 2 landen ex aequo bild 31 und 33.
und den sonderpreis zum thema ´gute laune´ bekommt bild 35 verliehen.
Ich mache mir Sorgen darüber ob die Nachrichten über das Erdbeben in Chile und das danach erfolgte Tsunami euch beeinflußt haben könnte und will sehr hoffen, dass das nicht der Fall ist und keine riesen Wellen auf euch zugekommen sind.
Hoffe, dass ihr wohl auf seid und daher bald ein Eintrag folgt.
wir warten voller anspannung und sehnlichst auf ein zeichen von euch !
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