Soweit die Theaorie, und wir waren glücklich genug, dass sich alles so steuern ließ, dass wir ideal über den großen Teich kamen – in nur 20 Tagen und 11 Stunden! Sogar der Kalmengürtel erwies sich als uns gnädig gestimmt, denn wir kamen mit insgesamt einer Nacht und einem halben Tag unter Motor durch – und davon war die Hälfte der Nacht eher Bequemlich- als Notwendigkeit. Am faszinierendsten aber war, dass die Gewitter uns auswichen – vor, hinter, links und rechts blitzte es, öffneten sich die Schleusen des Himmels, aber wir behielten Kurs und kamen mit einem einzigen kurzen Guß durch. Die Vorsichtsmaßnahme des Lagerns der HandGPS’ und des –VHFs in einem Metalltopf für den Fall eines Blitzschlags erwies sich glücklicherweise auch als rein solche.
Trotzdem gab es auch ein paar Brüche und Rückschläge: Die erste Reparatur wurde kurz nach Mindelo notwendig: Das Stahlseil zwischen Genuafall und Rollreiter riss. Eine normale Alterserscheinung, die es aber von Nöten machte, dass ich in den Mast ging. Was im Hafen im ruhigen Wasser keine Herausforderung dastellt, ja, einen lohnenden Rundumblick beschert, erwies sich auf hoher See mit Wellen und Wind als schwierige und blutige Angelegenheit – meine Schienbeine waren danach ziemlich mitgenommen. Wer kennt den Spruch der Seeleute: ‚Eine Hand für dich, eine für das Schiff.’? Das ist pure Romantik - die richtige Version für Mastgeher, ich erfuhr sie in Bahia, lautet: ‚Zwei Beine, zwei Hände für dich – und einen Kopf für das Schiff – Boing, Boing, Boing…!’
Aber nach knapp 3h Arbeit waren wir wieder zurück auf unserem Kurs unter Segeln und langsam purzelten die Seemeilen.
Seit ich als Kind von der Seefahrtträume, verbinde ich drei einzelne, große Punkte damit für mich: Den Äquator zu überqueren, das Kreuz des Südens zu sehen und Kap Horn zu runden. Man kann sich meine gespannte Erwartung vorstellen, als nach so langer Zeit des Träumes die Erfüllung der ersten beiden Highlights immer näher und näher kam – wie sehr wünschte ich mir, dass wir die Uberquerung bei Tageslicht haben würden!
Aber zuerst gab es noch Probleme mit dem neuerstandenen Raymarine-GPS-Handgerät, das alles in allem auf nahezu der ganzen Linie enttäuschte, die ich aber mit einem kompletten Reset zu lösen vermochte. Am 15.12 ergab sich auch eine wundervolle Gelegenheit zu baden – der Wind war gänzlich eingeschlafen, sodass wir nicht lange zögerten und ins Wasser hüpften. Bei einer Meeres- und Lufttemperatur von ca. 28 Grad, sowie extrem hoher Luftfeuchtigkeit und sieben Tagen ohne Dusche oder Bad eine wundervolle Sache – abgesehen von dem Gefühl mitten im Nirgendwo des großen Teichs im Wasser zu treiben.
Die Tage und Nächte glitten dahin, während unser Windpilot für uns die Arbeit am Ruder verrichtete, konnten wir ausruhen oder lesen. Zu schaffen machte uns nur die große Luftfeuchtigkeit. So heiß nämlich war die Luft gar nicht. Allerdings gab es ach keine Kühlung mehr über den Rumpf, dazu war das Wasser viel zu warm. Meistens saßen und lagen wir unter Tags apathisch herum. Segelmanöver wurden in der Früh oder am Abend erledigt, wenn sie nicht aus Dringlichkeitsgründen zur sofortigen Durchführung gemahnten. Oft fehlte uns auch der Appettit auf warmes Essen, sodass wir uns mit Zwiebeln (auf die wir eine zeitlang echten Heißhunger hatten – es gab auch eine Knoblauch und eine Süßphase. Interessanterweise glichen Andreas und ich da uns ziemlich genau.), Schwarzbrot und Käse bzw Wurst in Andreas Fall begnügten. Durch den Kauf einer brasilianischen Magarine in Mindelo, die auch ohne Kühlung hält mangelte es uns während der ganzen Fahrt nicht an diesem Butterersatz. Für mich typisch war auch ein unheimlicher Nußbedarf – so gut wie während jeder Nachtwache gönnte ich mir eine Handvoll. Selbst heute noch, in Bahia, während ich diese Zeilen tippe, knabbere ich an Cashews, die hier wachsen und günstig erhältlich sind.
Dann war es endlich soweit: Am 19.12.09 um 10:06 querten wir bei 26 W 38.91 den Äquator! Ich hatte in der Früh während meiner Nachtwache schon angefangen unser Maskottchen vorzubereiten, damit es in Poseidons Rolle schlüpfen und somit unsere Weihe den letzten offiziellen Schliff verleihen konnte. Auch durfte es sich selbst den extra dafür hervor geholten Glenfiddich opfern. Erst danch brachten Andreas und ich unsere Gabe dar – voller Dankbarkeit für die bis dahin so glückliche Fahrt und der Bitte, die sich ja auch erfüllen würde, dass es so bleiben möge. Dann durfte ein Rapid-Fahnen-Photo natürlich nicht fehlen! Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete das Absenden der dafür aufgehobenen Instant-Flaschenpost, ein Abschiedsgeschenk einer Freundin von Andreas. Mit ihr schwammen auch romantische Träumereien achteraus – wer, wo und wann sie denn finden möge.
Poseidon dürfte von unserer Gabe angetan gewesen sein, denn ähnlich glücklich wie bisher ging es weiter. Weihnachten verging nahezu unbemerkt – nur kochte ich zur Feier des Tages mit Fleisch, ansonsten muss sich Andreas mit weitgehend vegetarischer Kost begnügen – und als Nachspeise gab’s eine süße Köstlichkeit. Während der Nachtwache brummte ich dann noch ein paar Weihnachtslieder. Nur zwei Tage später dann der ‚schwarze Samstag’, wohl der unangenehmste Tag unserer Reise: Zuerst brach die Halterung des Spinnakerbaumes am Mast, dann versuchten wir ihn an einer anderen Fixierung auszubringen, was zu Folge hatte, dass der Kopf des Baumes entzwei ging – allerdings noch Glück im Unglück, denn wäre diese zweite Halterung auch ganz weggerissen, hätte dies uns den Mast kosten können. Danach mußten wir uns mit einer ‚russischen’ Lösung der Fixierung mittels Bändsel begnügen. Es dauerte ein, zwei Tage, bis wir wieder wirkliches Vertrauen zu dieser Konstruktion faßten, die aber brav ihren Dienst versah und so unser Ziel, Silvester in Brasilien zu verbringen, möglich machte.
In der Nacht vom 28. auf 29.12 um 03:00 UTC erreichten wir die brasilianische Küste und versuchten gleich durch die schmale, flache Einfahrt in die Bucht zu gelangen – was uns nach nur einmal auf Grund setzen gut gelang – Respekt für Andreas, dem Mann am Steuer, und warfen um 05:30 Anker. Wir sind im Paradies angekommen!
8 Kommentare:
Gratuliere euch zu eurem Erfolg und mögen die Winde und das Wetter für das ganze Vorhaben so mild und angenehm sein wie bisher ...
das beste was einem im Leben passieren kann ist es, sich die Kindheitsträume zu erfüllen - das muss das Leben erfüllen !
Wenn du die vier Sterne siehst, dann wünsche auch für mich etwas, vielleicht gehts ja in Erfüllung...
allerdings wenn ich deine Mutter wäre, dann würde ich es dir verbieten den Kap Horn zu umrunden.
Schön, dass der erste Traum auf so eine angenehme Art und Weise in Erfüllung gegangen ist und vor allem mit dem richtigen Leiberl!
Congratulations to your great, colourful and exciting homepage! It is adventurous to read your blogs, and they in fact delight every-day-life in grey and cold Vienna. Good luck and enjoy yourselves!
hi,
freut mich, dass Ihr gut gelandet seid.
Toller Blister übrigens !
dear both, we are wondering why the latest blog did vanish? how are you in the light of the recent developments? we would be grateful if you could let us know ...
was los mitm letztn Eintrag ?
issa weg ?
hast du das nicht gelesen von dem überfall?
Eben.....
Ist das eine Policy, dass man nix über Überfälle schreiben darf ?
???
Post a Comment