Den ursprünglichen Plan, bis zu den Kapverdischen Inseln zu segeln, ließen wir, nach dem wir vom dort dem Vernehmen nach grassierenden Denguefieber gehört hatten – im Internet darüber genauere Informationen zu finden erwies sich als nicht einfach, auch, weil wir vor Anker lagen – fallen. Also dann eben direkt von Las Palmas nach Salvador in Basilien, über dreißig Tage durchgängig auf See.
Mit leichten (Halb-)Winden liefen wir Freitag des Nachmittags aus, ließen die Stadt, die und die letzten knapp drei Monate beheimatet hat achteraus am Horizont liegen.
Der Wind allerdings erwies sich in Verbindung mit dem starken Schwell und der damit hervorgerufenen Schaukelbewegung des Bootes als zu schwach um das neue Starblistersegel stehen zu lassen. Was also tun?
Wieder zurück vor Anker? Warten auf stärkeren Wind – aber damit auch warten bis die ARC, die Sonntag darauf starten würde, abgelegt hat? Zumindest also wieder drei, vier weitere Tage vor Anker?
Nein, danach stand uns nicht der Sinn. Zeit für eine andere, neue Errungenschaft, Zeit für den Spinnakerbaum! (Der geneigte Leser mag sich in diesem Augenblick einen großen Tusch vorstellen.)
Und wirklich, auch wenn unser erstmaliges Hantieren mit diesem 6m langen, 10cm Alurohr auf dem schwankenden Deck sicher nicht ganz eingespielt gewirkt haben mag, brachten wir damit unsere Genua so in den Wind, dass wir gut Fahrt aufnahmen und die Küste Gran Canarias entlang in den Süden segeln konnten. Langsam senkte sich nun auch die Nacht herab und die dritte Neuerung, unser Windpilot, steuerte uns Kurs Südsüdwest.
Herrlich. Wie genoss ich diese erste Nachtwache, die Stille, den Sternenhimmel mit der mondenen Sichel, das Vorbeiziehen der Lichter der Zivilisation an der Küste. Interssant aber auch die nächtlichen Anflüge der Touristenflieger auf Gran Canaria.
Der Wind nahm dann noch zu und sollte bis kurz vor Mindelo nicht mehr nachlassen, bließ zumindest mit fünf Beaufort, manchmal stieg er auf sechs. Bald schon stellten wir unseren Geschwindigkeitsekord der ersten Etappe ein, erreichten spielend Etmale, von denen wir damals nur träumen konnten, verbesserten unsere Tagesbestleistung auf 133 sm von Mitternacht bis Mitternacht.
Wir flogen förmlich unserem Ziel entgegen – nur: welchem?
Vor allem Andreas wurde mit dem Gedanken nach Brasilien durchzusegeln nicht glücklich; ich selber aber hatte mir in der ersten Nacht vor Anker eine Verkühlung aufgerissen, die nun, durch die Erschöpfung des dreistündigen Wach-Schlafrhythmuses, auch mit Fieber stärker hervorbrach und mich doch deutlich schwächte, so dass mir der Gedanke eines Zwischenstopps immer besser gefiel.
Sollten wir also doch nach Cabo Verde? War das mit dem Fieber vielleicht nur eine von diesen ‚Sommerloch’-Journalismusgeschichten? Wütete die Schweinegrippe nicht angeblich schlimmer in Wien als das Duenghefieber auf der Inselgruppe, die so schön am Weg liegen würde?
Andreas, die Musik dieses jungen afrikanischen Staates noch im Ohr (seit knapp 20 Jahren gehört eine CD mit der dort heimischen Musik zu seinen Lieblingen) war für eine Kursänderung – und mir war es eben dann im Endeffekt so unrecht auch nicht.
Also los – den Bug etwas mehr gen Süd und voilà: Mindelo, wir kommen.
Wiederum hin und wieder begleitet von Walen und Delphinen, fast immer aber von Sonnenschein und zunehmenden Mond und Sternenfunkeln, näherten wir uns rasch der Insel Sao Vincente.
Der Windpilot arbeitete so hervorragend, dass wir dadurch, dass der Wind seine Richtung nur maginal änderte, die Segelstellung nur selten anpassen mußten. Gleichzeitig lernten wir durch ihn die Segeleigenschaften der Maverick immer besser kennen, da sich jede kleine Änderung der Balance sofort auf sein Steuern niederschlägt, er viel sensibler auf Druckverlagerungen an der Pinne reagiert.
Meistens konnten wir uns damit begnügen, Kurs, Pilot und Segel sowie die Windinstrumente zu beobachten um im Falle eines Falles umgehend eingreifen zu können. Da wir mit gereffter Fläche fuhren, auch das nahezu durchgehend, und trotzdem schnell, ja mit mehr ‚Wäsche’ draußen gar nichts mehr an Geschwindigkeit gewannen, war auch das Risiko, von stärkeren Böen Beschädigungen im Rigg zu erfahren, entsprechend gering
Wir lasen viel, plauderten, schliefen, schauten aufs Meer, lauschten den Wellen – kurz: wir genossen diese zweite Etappe in einem Maß, wie wir es uns während der ersten nicht zu träumen gewagt hätten.
Am vorletzten Tag bemühten wir uns sogar um eine Verringerung der Geschwindigkeit um nicht schon Mitternacht in Mindelo einzutreffen – etwas, das man bei unbekannten Häfen verständlicherweise vermeiden will.
Leider schlief der Wind dann in der Nacht so nachhaltig ein, dass uns unsere ‚Entdeckung der Langsamkeit’ etwas reute. Mit voll gesetzten, laut killenden Segeln krochen wir nun förmlich über die Wasseroberfläche, während die Sonne spürbar an Intensität gewann.
Schließlich warfen wir den Motor an, holten wir sämtliches Tuch ein, verstauten den Spinnakerbaum an seinem Platz am Mast und bereiteten unsere Maverick auf das Liegen vor.Eindrucksvoll präsentierte sich die Steilküste, bot einen majestätischen Anblick, der zum Photographieren einlud.
So sind wir nun also hier in Mindelo, einem charmaten, afrikanischen Städtchen.
Ach ja, das Denguefieber übrigens betrifft hauptsächlich die südlichen Inseln des Archipels und der Wind, der hier ständig kräftig über das Boot zieht, läßt Moskitos erst gar keine Chance.
Jetzt können wir uns wirklich von den Reparaturstrapazen erholen, Schlaf nachholen, den Kopf ‚reseten’ – mehr noch als auf dieser herrlichen zweiten Etappe.
Eine Woche werden wir uns hier wahrscheinlich gönnen, von der allerdings auch einige Tage weiteren Arbeiten gewidmet sein werden, denn der Wehmutstropfen der Fahrt hierher war, dass das GPS immer wieder ausfiel (wahrscheinlich ein Wackler in der Antenne) – und dann, bei günstigen Wetter- und Windvorschauen geht es weiter Richtung Brasilien. Unser Gastgeber dort hat die Überfahrt von Mindelo nach Hause in siebzehn Tagen geschafft – so schnell können wir nicht sein; wir rechnen mit fünfundzwanzig bis dreißg Tagen.
Aber jetzt erst einmal volle Konzentration auf Mindelo!
4 Kommentare:
schön, von euch zu lesen! alles gute!
ihr werdet also auf hoher see weihnachten feiern?
today is today
tomorrow never comes
(matala,GR)
Fein, daß die zweite Etappe so gut geklappt hat. Ich krieg schon Fernweh...(schöne Bilder und Videos!) Angesichts der hinter Euch liegenden Reparatur-Strapazen ist ein wackeliges GPS ja gar nix. Ich wünsch Euch gute Erholung und eine schöne Zeit in Mindelo, freu mich schon auf den nächsten Eintrag!
Burschen, habt Ihr jetzt eine geile Zeit erlebt! Ich freu mich mit Euch!
...gleichzeitig fragt man sich werden sich die Windverhältnisse ändern ? Hoffentlich erst dann wenn Schiff und Crew dafür breit sind. Ich wünsche Euch schöne Tage in Mindelo und wäre gerne auch dabei!
Post a Comment