Aber schön der Reihe nach, denn der letzte Eintrag berichtet ja gerade ersteinmal vom Anfang der Reparaturstrapazen!
Ohne zu übertreiben, kann man sagen, dass wir einen Fulltimejob haben – 10 h Tage und das auch am Wochenende waren keine Seltenheit, und selbst jetzt noch sind wir täglich von 0900 – 1800 im Einsatz. Damit euch liebe Leser nicht allzu langweilig wird – denn einen Arbeitsalltag ist so rasend interessant nicht – die Zusammenfassung der Reparaturen:
Im Unterwasserschiff haben wir großflächig Platten ausgetauscht, dh, den Stahl mit der Flex herausgeschnitten und neuen eingeschweißt. Ebenfalls tauschten wir das Stevenrohr (Führungs- und Auslaßrohr der Schraubenwelle) und sämtliche Wasseraus- bzw. Einläße, eine Wasserlogge (Fließgeschwindigkeitsmesser) haben wir neu angebracht. Nachdem der Rumpf wieder ganz war, mußte er nicht nur sandgestrahlt werden um alle Farb- und Rostreste zu entfernen, sonder auch wieder neu gestrichen. Bei einem Stahlrumpf heißt das: Primer, Farbe und unter der Wasserlinie Antifouling. Insgesamt 7 Schichten. Da jeder Anstrich erst nach einer gewissen Trockenfrist des davorhergehenden passieren durfte, waren das alleine schon ca. 10 Tage.
Beide Wassertanks wurden ausgeschliffen und neu eingestrichen – womit wir unsere Trinkwasserkapazität auf ca. 700 l verdoppelt haben.
Der zweite Dieseltank wurde als solcher hergestellt, der alte ausgeputzt – neuerdings können wir damit 400-500 l Treibstoff bunkern. Eine ganze Menge Motorstunden, wenn man bedenkt, dass unser Antrieb ca. 3 l/h verbraucht!
Nahezu das gesamte Schlauchsystem für Wasser, Diesel und Bilge wurde ausgetauscht und erneuert. Dem Bilgenkreislauf wurde eine zweite elektrische Pumpe, dem Trinkwasserkreislauf ein Filter hinzugefügt.
Den Motor haben wir zerlegt, eine neue Zylinderkopfdichtung eingebaut, den Kopf selber planen und die Einspritzdüsen auf ihren Druck überprüfen lassen.
Dem nicht genug, wurde eine (Reserve-)GPS-Antenne für den Laptop, ein Radar und eine Windanzeige neu eingebaut, ein neues Fall dem Mast und zwei neue Segel der Ausrüstung der Maverick hinzugefügt, sämtliches laufendes Gut (= alle sich bewegenden Taue) und die Winschen (= ‚Seilkurbeln’) ausgetauscht, ein Windpilot (Autopilot, der vom Wind angesteuert wird und keinen Strom benötigt) und auch ein 6,2m langer Spinnakerbaum angeschafft.
Natürlich wurden, konnten wir nicht alle Arbeiten selber erledigen, sondern hatten die Unterstützung anderer. Was außerhalb unserer Kompetenzen lag wurde gleichzeitig zu einer Lehre. Andreas wurde im Laufe der Reparaturen die platinerne Anstecknadel des Ersatzteiljägers erster Klasse verliehen.
Die Lenkung aus dem Steuerhaus heraus wurde erneuert, sämtliche Luken abgedichtet und mit Schraubverschlüssen versehen, im Cockpit neue Sitzbänke angebracht und in den Holds Böden.
Insgesamt war die Maverick etwas mehr als einen Monat an Land, liegt jetzt schon 2 Monate zur Arbeit hier.
Unsere Laune hob sich, als wir vor knapp 2 Wochen das Hotel verlassen und, nach 3 Tagen Bootinnenputz, wieder einziehen konnten. Mittlerweile hat die Maverick auch ihre Segel wieder – und wir damit das Gefühl Segler zu sein. Auch war ich jetzt schon zweimal im Masttop – immerhin rund 16 Meter über dem Boot. Anfänglich ein durchaus mulmiges Gefühl – aber wahnsinnig schön und frei. Allerdings überträgt sich jede kleine Schaukelei des Bootes auf den Mast um ein vielfaches, sodass der alte Weisheit ‚eine Hand fürs Boot, eine für den Seemann’ Gewicht verliehen wird.
Nachdem wir nun auch den Ölfilter getauscht und vergleichsweise kleinere Eingriffe am Boot um alle Arbeiten abzuschließen hinter uns gebracht haben, erledigten wir die Verproviantierung – zeitgerecht, da man uns mittlerweile schon höflich aus der Marina vertrieben hat, da unser Liegeplatz fü die ARC benötigt wurde. Seit dem liegen wir vor Anker und warten auf günstige Winde. Wahrscheinlich werden wir morgen oder auch übermorgen in See stechen.
Ob wir in der Zwischenzeit die Insel besichtigen konnten – nein! Auch die Altstadt blieb uns nahezu gänzlich verwehrt (mir war es vergönnt, sie zweimal zu durchschlendern – was allerdings auch schon am Anfang unserer Zeit hier).
Dass der Streß und die Belastungen der letzten zwei Monate nicht spurlos an uns beiden vorüber gegangen ist, erscheint logisch, und wir beide sehnen uns, so komisch das angesichts der Anstrengungen der ersten Etappe klingen mag, nach der Erholung der Hochseesegelei.
Letztendlich aber können wir stolz sein – ein anderer Segler hat es so ausgedrückt: Für das, was Andreas die letzten ca. 70 Tage durchgeboxt hat, brauchen andere ein Jahr!
Und wirklich – ohne Übertreibung kann man sagen, dass wir jetzt mit einem anderen Boot unterwegs sein werden.
Über die Eindrücke, die sich sonst so angesammelt haben, über ‚Aussteiger’, Lebenskünstler und andere Kuriositäten werde ich im nächsten Blog berichten – vielleicht direkt von Mindelo – Kapverdische Inseln, oder aber, sollte alles unterwegs gut laufen und wir unseren Kurs direkt Richtung Brasilien abändern, dann schon von dort. Immerhin rund 3000 sm von Las Palmas entfernt!
Es sind Ansichtskarten unterwegs an die, deren Postanschrift ich besitze – alle die sich nicht sicher sind und vielleicht auch einmal gerne eine Karte in der Hand hielten: Schickt mir eure Adresse per Mail!
7 Kommentare:
Hey Super !
Gut Wind, und lasst bald wieder von Euch hören !
Habt Ihr das "neue" Schiff auch umgetauft ?
cu
Endlich geht's weiter, volle Kraft voraus! Freu mich schon auf echte Segelberichte. Ein Namensvorschlag: Wie wär's mit "Blood, Sweat and Tears" ? ;-) Alles Gute!
...kann ich mir gut vorstellen, dass Ihr Euch nach dieser (Arbeits-) Zeit danach sehnt wieder auf See zu gehen... deshalb seid Ihr ja auch los gesegelt ;-)
Aber wie so oft im Leben wird man, von links hinten kommend immer wieder mit der Realität konfrontiert, was schlussendlich das ganze so unvergesslich macht, gell ?
Für Eure weitere Route wünsche ich Euch
Mast- und Schotbruch!
...in der Tat hätte das Schiff einen neuen Namen verdient - wie wär's mit "scavenger" oder "tinkerer" ? ;-)
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klug:
Schiffsnamen sollten immer weiblich sein ...
Hämorrhagisches Denguefieber ?
Danke für die Karte - beim Edlmoser ist sie angekommen!
Wir trinken ein (?) Achterl auf Euch!
Barbara und die gesamte Edlmoser-Crew
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