Ich denke, dass allen diesen Themen eine grundlegende Angst des Menschen gemeinsam ist: die vor dem Unbekannten, vor dem Unbeeinflußbaren, vor dem Aufgeben einer gewissen, vielleicht tügerischen, aber in der 'zivilisierten' Welt gefühlten, Sicherheit - und natürlich muß ich mich dieser auch stellen.
(An dieser Stelle möchte ich die originellste Frage anführen, die von einer ehemaligen Mitseglerin, die es ja wissen muss, gestellt wurde: 'Habt ihr nicht Angst davor, vollständig zu verrohen?' - Manche Risiken darf man zwar nicht unterschätzen, soll sie aber auch nicht überbewerten...)
Aber sie läßt sich auf ein gesundes Maß zurückstutzen durch Vorbereitung. So folgt unser Kurs nach Australien zum Beispiel einer Segelanweisung, die vor knapp 400 Jahren von den 17 Herren, den Leitern der niederländischen 'Vereenigten Oost-Indischen Compagnie', der damals mächtigsten Gesellschaft im Gewürzhandel, 1616 ausgegeben wurde: 'Wenn die Schiffe die Westwinde gefunden haben, sollen sie mindestens 1000 Meilen lang einen östlichen Kurs halten, bevor sie nach Norden fahren.'
Die angegebenen Winde aber sind die 'Brüllenden Vierziger', die erst 6 Jahre zuvor, nämlich 1610 vom Niederländer Hendrik Brouwer entdeckt wurden. Die damalige Strecke in die Handelsgebiete gleicht der unsrigen: Europa, Kanaren, Brasilien, Südafrika, Australien (das damalige Ziel war weiter nördlich Java). Diese Segelanweisung verkürzte übrigens die Segelzeit von ca. 12 auf knappe 6 Monate.
Es folgt also unser Kurs einer langen Segeltradition - damit verbunden existiert entsprechend viel Wissen, dessen wir uns bedienen konnten, um unserer Reise eine Planung zugrunde zulegen, die auf Sicherheit bedacht ist.
Für mich macht, wie auch im letzten Blog erwähnt, dieses 'Segeln-auf-historischen-Pfaden' übrigens einen großen Reiz unseres Vorhabens aus.
Das Risiko 'Meer - Wellen - Sturm' läßt sich damit schon sehr minimieren - respektieren muss man es natürlich trotzdem und wachsam bleiben.
Piraten aber, interessanterweise nach den möglichen Unbillen des Meeres das häufigste Thema, spielen auf unserer Route keine Rolle - sie sind beim Horn von Afrika, also der Ostküste in der Höhe von Somalia und bei der Meerenge, die ins Rote Meer führt, zu finden - diese Gegend berühren wir nicht einmal annähernd.
Die Vorratsfrage sollte durch entsprechende Vorbereitung - es gibt hier viele Tipps und Tricks erfahrender Fahrtensegler - auch kein allzu großes Problem darstellen. Die historische Geisel der Seefahrt, Skorbut, läßt sich leicht vermeiden: Wir führen natürlich Vitamin und Mineralientabletten mit, um bei langer, eintöniger Ernährung hier keinen Mangel aufkommen zu lassen. Auch die Wasserkonservierung ist heutzutage nicht mehr wirklich schwierig. Micropur-Tabletten machen das Trinkwasser vielleicht nicht gerade schmackhaft, aber definitiv sauber!
Die Enge des Lebensraumes, den Andreas und ich zukünftig teilen werden, mag durchaus zu Spannungen führen - wie auch nicht - aber unser Vorteil ist, dass wir uns wohl schon länger kennen, als die meisten Anderen, die zusammen auf ein Boot gehen - und wir haben ein gemeinsames Ziel! Auch findet sich durch das abwechselnde Wachehalten in der Nacht doch immer auch Zeit für die persönliche Einkehr.
Als Fazit zur Frage nach der Angst könnte ich folgendes schreiben: Ja, ich habe sie - sie nicht zu haben wäre dumm und gefährlich - aber sie ist ein Ansporn für bessere Vorbereitung und intensivere Planung. Auch dient sie dazu Respekt zu haben - Respekt vor der Natur, dem Vorhaben, dem Material, vor dem Segelpartner - und zu guter Letzt auch vor mir selber.
10 Kommentare:
Das ist einer der schönsten und weisesten Texte, die ich seit langem gelesen habe.
Ihr beginnt einen Lebensroman - und ich will ihn lesen, Kapitel für Kapitel....
Robert
gebt gas und habt spass !
hihi !
nicht vergessen:
mauer liegt am pappelteich und rundherum liegt esterreich
velleicht kennt ihr bei deeser reeise eene erweeterte fassung erarbeiten.....
hihi
"Gebt Gas und habt Spaß"? Gebt kein Gas - und habt erst recht Spaß!!
lg
Rodja
May the road rise up
to meet you
may the wind be
always at your back
May the sun shine warm
on your face
And the rain fall soft
upon your fields
And until we meet again,
May God hold you
in the palm of his hand.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen !!!
Andreas, Monika, Benjamin, Mirjam
Hi Fechsy, werd deine reise hier verfolgen!! alles gute u. komm mal auf ein pint nach DUBLIN!!! vorbei. Alles alles Gute u. vor allem viel spass, Symone
Ihr Lieben,
Gute Reise und von wegen Verrohung, da seh ich bei Euch 2 schon tatsächlich Gefahr im Verzug, aber wir kriegen Euch schon wieder hin, dass Ihr gesellschaftsfähig seid, nachher.
Fex, an Deinem Geburtstag haben wir zwar heftig an Dich gedacht, aber der Weg zum SMS wurde dann doch so lang…
Alles Gute nachträglich und hiermit gleich Euch beiden!
Irene & die Räuber
...und wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein lichtlein her.
Euer Licht möge euch nicht nur auf dieser Reise begleiten! Gratuliere zu dieser Entscheidung und geniesst jede (freie) Sekunde!!!
Macht es gut und bringt viele Erfahrungen mit nach Wien/Mödling. Freue mich auf die spannenden Kapitel des "Lebensromanes" (frei nach Robert Menasse:-))
was los ? ich komm mir vor wie die 3 affen
mein kalender zeigt schon den 21. und nix zu sehen/hören/lesen....
seid ihr irgendwo falsch abgebogen?
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